Der Traum vom eigenen Hotel: Von der Vision zum Businessplan

Die Hotellerie ist eine Branche mit vielen Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Wer ambitioniert ist und etwas von seinem Fach versteht, kann in den verschiedensten Abteilungen Karriere machen und die Qualität und das Ansehen eines Hauses maßgeblich mitgestalten. So manchem Angestellten in der Hotelbranche reicht das aber vielleicht irgendwann nicht mehr aus und er möchte seinen eigenen Vorstellungen vom perfekten Hotel noch mehr Raum geben. In diesem Fall ist der Start in ein eigenes Business eine Überlegung, die durchaus Potenzial haben kann. Die Hotellerie und Gastronomie sind noch immer wachsende und äußerst vielseitige Branchen und ein gut geführtes Hotel hat hervorragende Chancen, sich langfristig zu etablieren. So muss die Idee vom eigenen Hotel kein Traum bleiben.

Die eigene Vision in konkrete Bahnen lenken

Der Wunsch nach einem eigenen Hotel entsteht meist aus zwei Gründen:

  1. Es gibt Aspekte in den bisher betreuten Häusern, die einem Angestellten nicht optimal erscheinen.
  2. Er oder sie hat eine Vorstellung davon, wie es besser zu machen wäre und würde diese gerne umsetzen.

Wenn diese Vorstellung konkreter wird und sich zu einem umfangreichen Hotelkonzept entwickelt, ist die Vision vom eigenen Haus geboren.

(Quelle: iStockphoto)

Damit die eigenen Vorstellungen konkrete Formen annehmen können, sollte zunächst entschieden werden, welche Art von Hotel eröffnet werden soll, welche Kategorie damit angestrebt wird und welche Zielgruppe als Gäste in Frage kommt. Wie das Internetportal businessplan.org berichtet, waren die Hotelkategorien 2011 in Deutschland folgendermaßen verteilt:

 

„2011 gab es in Deutschland 8206 mit Sternen zertifizierte Hotels. Mit 59,8 Prozent nahm die 3-Sterne-Kategorie den größten Anteil ein. Dazu kamen 28,6 Prozent der Kategorie 4 Sterne und 9,6 Prozent mit 2 Sternen. Der Anteil an Luxushotels mit 5 Sternen war mit 1,6 Prozent eher gering wie auch die 1-Sterne-Unterkünfte mit 0,9 Prozent.“ (Quelle: https://www.businessplan.org/hotel/)

Vor allem im Bereich der Tages- und Geschäftsreisen und im Wellnesssegment ist ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, so das Portal. Wer hier Fuß fassen möchte, ist also gut beraten. Vor allem sollte ein Businessplan ein Alleinstellungsmerkmal präsentieren, mit dem sich ein Hotel von den Mitbewerbern in der Region und in der gesamten Branche abheben kann. Vor allem die Konkurrenz der großen und etablierten Hotelketten ist nicht zu unterschätzen. Wer hier punkten möchte, sollte sich deshalb etwas ganz Besonderes einfallen lassen und seinem Konzept eine individuelle Note geben.

Diese Fragen können bei der Entwicklung eines individuellen Hotelkonzeptes helfen:

  1. Welche Zielgruppe soll angesprochen werden und welche individuellen Bedürfnisse hat diese Zielgruppe?
  2. Welche kulturellen Rahmenbedingungen bietet der Standort und wie können sie sinnvoll aufgegriffen werden?
  3. Welche Philosophie soll dem Hotelkonzept zugrunde liegen?
  4. Wie kann das Design des Hotels auf die kulturellen Besonderheiten des Standortes, die eigene Philosophie und die Erwartungen der Zielgruppe abgestimmt werden?
  5. Welche kulinarische Ausrichtung soll das Hotel im Hinblick auf die zuvor erörterten Fragen haben?
  6. Welche zusätzlichen Angebote kann das Hotel seinen Gästen bieten, die eventuell eine Nische bedienen oder ein Alleinstellungsmerkmal definieren können?

Je individueller ein Hotelkonzept ist, desto besser ist es möglich, sich von Mitbewerbern abzuheben. Dafür spielt die Wahl des richtigen Standortes aber auch eine bedeutendere Rolle, wenn ein sehr spezielles Konzept gewählt wird.

Den richtigen Standort wählen

Für den Erfolg eines neu eröffneten Hotels ist die Wahl des richtigen Standortes ein wesentlicher Faktor. Vor allem Hotels mit einem individuellen Hintergrund sollten einen Standort wählen, der für das konzipierte Alleinstellungsmerkmal empfänglich ist und an dem sich die Akquise der entsprechenden Klientel einfach gestalten lässt. Ein Hotel sollte an seinem Standort ins Bild passen und die Erwartungen der Gäste an eine Unterkunft erfüllen.

Eine Standortanalyse ist deshalb unerlässlich, bevor ein entsprechendes Objekt ausgewählt wird. Die Standortanalyse stützt sich auf die folgenden Fragen:

  • In welcher Lage befindet sich das Hotel und wie ist es an diesem Standort in die örtliche Infrastruktur (Öffentliche Verkehrsmittel wie Flughäfen, Bahnhöfe etc., Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote für Reisende) eingebunden?
  • Bietet die Lage eine ausgewogene Mischung aus Angeboten für die Gäste und Ruhe?
  • Wie viele Mitbewerber haben sich an diesem Standort bereits niedergelassen und wie ist die individuelle Ausrichtung des Hotels unter diesen Mitbewerbern vertreten?
  • Passt das Hotel in seiner individuellen Ausrichtung an den Standort und die dort vertretene Klientel?
  • Wie interessant ist der Standort für Reisende und welche Kategorie an Reisenden ist dort vor allem anzutreffen (Freizeittouristen, Geschäftsreisende, Gruppenreisende, Familien, etc.)?
  • Wie passt die vor Ort anzutreffende Klientel zur Ausrichtung des eigenen Hotels und der zu erwartenden Klientel?
  • Welche potentiellen Zulieferer sind an dem Standort vorhanden und wie ist es um die Lieferwege bestellt?

 

Nach einer ausführlichen Standortanalyse lässt sich meist leicht ermitteln, ob das eigene Haus mit seiner speziellen Ausrichtung dort gut angesiedelt ist oder ob aufgrund der ermittelten Faktoren ein anderer Standort zu empfehlen wäre. Wer langfristig Erfolg mit dem eigenen Konzept haben möchte, sollte sich hier unbedingt flexibel zeigen und auch den Umzug in eine andere Stadt oder sogar in ein anderes Land in Erwägung ziehen. Am falschen Standort kann das beste Hotelkonzept häufig nicht richtig durchstarten.

Mit einem professionellen Umzugsservice ist ein Standortwechsel in der Regel ein geringer Aufwand im Vergleich zu den Vorteilen, den das eigene Business durch den perfekten Standort erhält. Unter www.umzugsauktion.de ist es möglich, vorab passend zur Kostenkalkulation unverbindliche Angebote für einen Komplettumzug einzuholen und diese miteinander zu vergleichen. So muss auch ein Standortwechsel kein unbekannter Posten in der Gesamtkalkulation bleiben.

Die passende Immobilie finden

Nach einer ausführlichen Standortanalyse lohnt sich die Suche nach der richtigen Immobilie für die Hoteleröffnung. Ein Neubau kommt in der Regel nur für große Hotelketten in Frage. Wer ein eher kleines und individuelles Haus eröffnen möchte, ist mit einer gut erhaltenen und auf das eigene Konzept abgestimmten Bestandsimmobilie gut beraten. Für eine schnelle Suche angebotener Immobilien eignen sich Internetportale wie www.immowelt.de/suche/gastronomie-hotels oder www.immonet.de/gastgewerbe-hotel.html. Dort kann in einer einfachen Suchmaske eine bequeme Abfrage erfolgen. Außerdem ist es möglich, ein Profil der gesuchten Immobilie zu hinterlegen und sich Nachrichten zuschicken zu lassen, sobald eine passende Immobilienanzeige im Portal veröffentlicht wurde.

Die Standortanalyse hat schon viele wichtige Merkmale einer passenden Immobilie zusammengefasst und erörtert. Natürlich kann nur eine ausführliche Ortsbegehung zeigen, ob ein Objekt tatsächlich den eigenen Vorstellungen entspricht. Dabei sollten angehende Hotelgründer auch auf Kleinigkeiten und versteckte Details achten. Wichtige Punkte sind:

  • Welche Renovierungs- und Sanierungsanforderungen birgt die Immobilie?
  • Wie ist das Außengelände gestaltet? Kann es im Sommer mitgenutzt werden?
  • Wie sind Außenbereiche wie zum Beispiel Balkone, Terrassen etc. ausgerichtet (Sonneneinstrahlung)?
  • Sind genug Parkplätze für Gäste in der unmittelbaren Nähe vorhanden?
  • Ist das Haus leicht zu finden und ist es möglich, in der Umgebung entsprechende Hinweisschilder anzubringen?
  • Gibt es gegebenenfalls störende Quellen in der Umgebung, wie zum Beispiel Langzeitbaustellen, Bahngleise, Einflugschneisen, Fabrikgelände etc.?
  • Ist die Immobilie so gelegen, dass sie bei jeder Witterung gut erreichbar ist?

 

Falls ein Objekt gefunden wurde, das allen diesen Voraussetzungen entspricht, sollte möglichst rasch ein persönlicher Besichtigungstermin vereinbart werden. Gegebenenfalls empfiehlt es sich, einen Bausachverständigen hinzuzuziehen, der Gebäudezustand und potentiellen Sanierungsbedarf fachkundig einschätzen kann.

Aus Vision und ersten Analysen einen Businessplan machen

Im nächsten Schritt ist es wichtig, die eigene Vision auf ihre Umsetzbarkeit hin zu überprüfen und sie in einen Businessplan zu übersetzen, der eine konkrete Planung und Umsetzung möglich macht. Da die Eröffnung eines eigenen Hotels in der Regel Investitionen in großem Umfang erforderlich macht, ist ein gut durchdachter Businessplan unerlässlich, um die eigenen Möglichkeiten abzustecken und Finanzierungspartner von dem entwickelten Konzept zu überzeugen.

Herzstück des Businessplans ist aber die Finanzierung. Schließlich ist der Businessplan die Grundlage aller Gespräche mit potentiellen Investoren und Finanzpartnern. Der Finanzierungsplan stellt Einnahmen und Ausgaben der Hoteleröffnung und des anschließenden Betriebs so detailliert und konkret wie möglich gegenüber. Kennzahlen sollten gründlich recherchiert und anhand von Erfahrungswerten aus der Branche realistisch und nachvollziehbar sein. Deshalb ist es gut, wenn bereits eine ausführliche Standortanalyse und eine erste Suche nach möglichen Immobilien vorausgegangen sind, damit sich die notwendigen Investitionen und das Gewinnpotenzial im Businessplan besser einschätzen lassen. In die Kostenkalkulation sollten auch wesentliche Punkte einfließen ohne die eine Hoteleröffnung nicht möglich ist:

  1. Die Gewerbeanmeldung
  2. Die Gaststättenerlaubnis / Schanklizenz
  3. Gegebenenfalls GEMA-Gebühren für musikalisches Ambiente oder Veranstaltungen
  4. Kosten für spezielle Entertainmentangebote in Gemeinschaftsräumen oder auf den Zimmern (Video on Demand)
  5. Überprüfungen durch das Ordnungsamt und das Veterinäramt, zum Beispiel im Rahmen der Erstbelehrung über das Infektionsschutzgesetz

 

Einen detaillierten Überblick über erforderliche Lizenzen und Anmeldungen gibt das Merkblatt zur Gründung und Führung eines Hotelbetriebes der Industrie- und Handelskammer.

Wie ein Finanzplan aussieht, hängt auch davon ab, welche Rechtsform für das Unternehmen gewählt wird. Das Einzelunternehmen ist die am häufigsten gewählte Rechtsform bei einer Hoteleröffnung. Was es mit dieser Rechtsform auf sich hat und warum sie für die Eröffnung eines eigenen Hotels eine gute Wahl sein kann, erläutert die Internetseite www.existenzgruender.de des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Neben der Rechtsform sollte ein Businessplan auch detailliert erörtern, welches Potenzial das Unternehmen im Hinblick auf die Erwirtschaftung von Gewinn mit sich bringt. Bei einer Hoteleröffnung geht es dabei vor allem um eine Kalkulation der vorhandenen Betten in Relation zur zu erwartenden durchschnittlichen Auslastung. Für eine vorläufige Berechnung ist neben der Anzahl der Betten auch die Zahl der geplanten Öffnungstage pro Jahr wichtig. Mit diesen Kennzahlen lässt sich nach folgendem Muster eine Kalkulation vornehmen:

Berechnung der Kapazität: Bettenanzahl x Öffnungstage

Berechnung der Auslastung: Übernachtungen x 100 / Kapazität

Eine genaue Berechnung der tatsächlichen Auslastung ist natürlich erst möglich, nachdem ein Haus ein Jahr lang betrieben worden ist. Für eine Kalkulation vor der Hoteleröffnung kann eine genaue Marktanalyse einen Richtwert bieten. Die Auslastung sollte bei kleinen Häusern mit wenigen Betten durchschnittlich deutlich über 50 Prozent liegen. Große Häuser mit Bettenzahlen in dreistelliger Höhe sind erst mit einer Auslastung von über 60 Prozent langfristig rentabel.

Da der Businessplan ein absolutes Muss für Existenzgründer ist, ist Professionalität gefragt. Wer selbst wenig Erfahrungswerte und Sachkenntnis besitzt, sollte sich einen Fachmann ins Boot holen und den Businessplan gemeinsam mit einem Experten erstellen. Wer sich selbst am Businessplan für das eigene Hotel versuchen möchte, kann im Internet auf zahlreiche Muster und Arbeitsvorlagen zurückgreifen. Einen detaillierten Businessplan als Arbeitsgrundlage hat zum Beispiel das Unternehmen Auxmoney, das seit Jahren Existenzgründer berät, als PDF zum kostenlosen Download bereitgestellt.

Ist der Businessplan erstellt, können erste Gespräche zur Finanzierung des Hotelprojektes vereinbart werden. Damit tritt das Projekt in die konkrete Umsetzungsphase ein. Unternehmensgründer in der Hotellerie können verschiedene Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen. Eine gute Vorbereitung auf jedes einzelne Gespräch ist unerlässlich, denn nur, wenn die eigene Sache überzeugend vorgetragen wird, lassen sich potentielle Investoren gewinnen.


Beitrag von Niklas Bauer

Niklas Bauer