Eigenes Hotel: Der teure Traum will gut geplant sein

Liegt die Ausbildung im Hotel- und Gastronomiegewerbe schon eine Weile zurück, erwacht bei vielen Arbeitnehmern der Traum von einer eigenen Existenz im diesem Bereich. Ein Hotel zu eröffnen, scheint vielversprechend. Wer sich jedoch nicht ausreichend mit diesem Thema befasst, tappt früher oder später in die Falle. Dann verwandelt sich der Traum in ein Dilemma, denn auch in der Hotellerie geht es um Finanzen und Erfolg. Einige Aspekte, die Gründungswillige nicht vergessen sollten.

Finanzen: Hotels sind teuer

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Vor der Eröffnung des eigenen Hotels steht die Suche nach passenden Räumlichkeiten an. Ein Neubau, so attraktiv er auch erscheinen mag, ist häufig mit hohen Kosten, rechtlichen Fallstricken und baulichen Besonderheiten verbunden. Nicht immer ist der Bau eines Hotels von Beginn an eine gute Idee. Besser kann es aussehen, wenn ein bereits bestehendes Hotel verkauft wird. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von Krankheit über Scheidung bis hin zum wohlverdienten Ruhestand. Doch auch dann lässt der Hotelkauf gut und gerne siebenstellige Preise auf den Plan treten. Abhängig von der Lage und der Größe des Hotels handelt es sich beim Kauf um die wohl größte Ausgabe im Leben. Wer eine Million Euro oder mehr investieren muss und sich nicht über einen Gewinn im EuroJackpot freuen darf, muss seine Finanzen gründlich auf die Probe stellen.

Natürlich ist es möglich, Kredite zu erhalten, die beim Hotelkauf unterstützend wirken. Hier jedoch sind Banken mitunter recht eigen. Ein Grund dürfte die Tatsache sein, dass manche Gründer keine solide Basis für ihren Betrieb schaffen und schnell in finanzielle Bedrängnis geraten. Im Ernstfall bleibt die Bank dann auf dem ausstehenden Kreditbetrag sitzen und der Betroffene muss sich mit Insolvenz befassen. Es ist daher nur empfehlenswert, einen detaillierten Plan auszuarbeiten, der nicht nur das Konzept beinhaltet, sondern auch eine Marktanalyse und die Finanz-Situation. Dann können sich Banken einen sehr viel besseren Eindruck vom Risikoprofil des Antragsstellers verschaffen.

Nicht vergessen werden sollte dabei auch, dass das eigene Hotel für Ausgaben sorgt, die abseits des Kaufpreises liegen. Kosten für die Renovierung, das Personal, Dienstleister und Waren fallen von Beginn an ins Gewicht. Gerade während der Anfangszeit aber ist ein stabiler Zulauf an Gästen nicht immer gewährleistet. Zunächst muss sich das Haus einen Namen machen und Gäste zufriedenstellen. Wer finanzielle Sorgen im Hinterkopf hat und schon in den ersten Wochen Sparmaßnahmen treffen muss, kann sich jedoch nicht zu einhundert Prozent auf Gästezufriedenheit konzentrieren. Daher sollte der Businessplan nicht nur die Anschaffungskosten enthalten, sondern auch eine Aufstellung laufender Ausgaben und eine Prognose zu Einnahmen.

Zusätzlich zum Bankkredit kann es sehr sinnvoll sein, ausreichend Eigenkapital mitzubringen, staatliche Fördermaßnahmen in Anspruch zu nehmen und Investoren ins Boot zu holen, die sich mit ihrem Kapital an der Gründung beteiligen. An dieser Stelle lohnt es sich, erfahrene Existenzgründungsberater zu kontaktieren, die mit ihrer Expertise weitere Wege aufzeigen.

Ein gutes Konzept ist unverzichtbar

Schon jetzt ist klar: Zwischen dem Angestelltenverhältnis und der Selbständigkeit im Hotelgewerbe klafft eine riesige Lücke. Es braucht großes Verantwortungsbewusstsein, Durchhaltevermögen, hohe Motivation sowie unternehmerisches Geschick, um den eigenen Betrieb zu einer lukrativen Lebensgrundlage zu machen. Niemals fehlen darf dabei auch ein solides Konzept, das bereits vor der Finanzierung stehen muss.

Grundlage für dieses Konzept ist eine eingehende Marktanalyse. Die Region, in der sich das Hotel befindet, muss hinsichtlich eventueller Konkurrenz und der touristischen Situation genau beleuchtet werden. Erste Hinweise auf Tourismus in Deutschland allgemein liefert die Jahresübersicht des Deutschen Tourismusverbandes e.V. aus 2017.

Bei der Betrachtung bestehender Konkurrenz ist es entscheidend, auch deren Konzepte zu kennen. Es lohnt sich, ganz bewusst nach Unterscheidungsmerkmalen zu suchen, die dem eigenen Haus Vorteile verschaffen können. Gibt es beispielsweise bereits mehrere klassische Gasthöfe in der Umgebung, könnte ein Bio-Hotel mit veganem Angebot und Wellness-Bereich eine willkommene Abwechslung darstellen und neue Kundschaft anlocken. Selbstverständlich muss die gewählte Nische auch zu den eigenen Werten, Interessen und Überzeugungen passen. Ein Hotelier kann nur ein gutes Angebot zusammenstellen, wenn er sich auf diesem Gebiet auskennt und weiß, was seine Zielgruppe wünscht.

Und steht das Konzept in seinen grundsätzlichen Eckpunkten, sollten zusätzliche Aspekte berücksichtigt werden. Reisezeiten beispielsweise, konkrete Daten rund um die touristische Attraktivität des Standortes und die bisherigen Interessen Reisender, die in die Stadt kommen, helfen bei der Planung von Veranstaltungen und Sonderangeboten, die Gäste anlocken sollen.

Einrichtung als Komfort-Faktor

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Gäste schätzen es, wenn sie sich in einem Hotel herzlich willkommen und gut aufgehoben fühlen können. Ein Haus zu eröffnen, ist daher nur die halbe Miete. Faktoren wie Personalkleidung, eine Unternehmensphilosophie und auch die Einrichtung des gesamten Hotels spielen eine maßgebliche Rolle hierbei. Wer ein Bio-Hotel eröffnet, sollte nicht zu viel Plastik verwenden und Zimmer mit Naturholz und anderen umweltfreundlichen Materialien einrichten. Bei der Eröffnung eines Design-Hauses für junge Leute stehen wiederum gänzlich andere Faktoren im Zentrum. Die geschmacklichen Präferenzen der hauptsächlichen Zielgruppe sollten hier stets als Richtschnur dienen. Das wiederum kann bedeuten, dass das bestehende Haus umfangreich renoviert und neu eingerichtet werden muss. Ein Punkt, dessen finanzielle Auswirkungen auch im Businessplan nicht fehlen dürfen.

Hinzu kommt, dass auch rechtliche Rahmenbedingungen bei der Raumgestaltung und Führung des Hauses entscheidend sind. Gute Beispiele hierfür liefert eine Übersicht der Handelskammer Hamburg. Wer ein bestehendes Hotel kauft, sollte trotz dessen langjähriger Existenz genau überprüfen, ob alle Räumlichkeiten den gesetzlichen Standards entsprechen und gegebenenfalls nachrüsten.

Ist all das geschehen, wurde jedes Detail berücksichtigt und öffnet das eigene Hotel zum ersten Mal seine Pforten, endet die Arbeit nicht. Nun heißt es, aktiv zu werben, ein solides Marketing Konzept zu erstellen, Gäste glücklich zu machen und mit Lieferanten und dem Personal zusammenzuarbeiten. An Feierabend, wie es ihn im Angestelltenverhältnis noch gab, ist bei einer Selbständigkeit als Hotelier also kaum zu denken. Wer sich der Lebensaufgabe jedoch stellen will und mit Leidenschaft dabei bleibt, kann sich auch am hart umkämpften Markt von heute einen Namen machen.


Beitrag von Niklas Bauer

Niklas Bauer